Landesverband Groß-­ und Außenhandel,
Vertrieb und Dienstleistungen Bayern e.V.

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Alpentransit: Sieben Wirtschaftsminister schließen Allianz für den Schienengüterverkehr

20.06.2018

Sieben Präsidenten der alpenländischen Wirtschaftskammern haben am 12. Juni eine gemeinsame Erklärung zum Brennertransit unterzeichnet. Die Aktion verdeutlicht den Ernst der Lage. Die Wirtschaftskammern reagieren mit diesem Papier auf ‎das Versagen der Verkehrspolitik.

Entgegen aller Zusagen der jeweiligen Landesregierungen ist ‎es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, mehr Gütertransporte von der Straße auf die ‎Schiene zu verlagern. Stattdessen wurden Güter von der Schiene auf die Straße rückverlagert, ‎weil der Transport auf der Schiene unter heutigen Bedingungen nicht mit dem Lkw-Transport ‎konkurrieren kann. Bei allen Schlüsselfakto-ren – Verlade- und Transportzeiten, Pünktlichkeit und ‎Kosten – schneidet der Lkw-Transport bes-ser ab. Grund ist nach Einschätzung von Gerhard Wieland, Verkehrsfachmann der IHK München, dass die Politik den Schienengüterverkehr ‎vernachlässigt hat: „Oberste Priorität hatte vor allem auf der deutschen Seite die Autobahn, ‎dann fehlte das Geld, heute haben wir zu wenig Planer“.

Deutschland ist dabei, eine Jahrhundertchance zu verspielen
Den Zustand bezeichnet Wieland als untragbar. In Tirol wehren sich Bevölkerung und ‎Landes-politik gegen zusätzlichen Verkehr, die Brenner-Autobahn hat ihre Belastungsgrenze längst er-reicht, Bayerns Speditions- und Exportwirtschaft bangt um einen ‎störungsfreien Alpentransit und die Anbindung an Italiens Häfen; die Zunahme des Schwerverkehrs auf der Straße widerspricht europäischen Klima- und Emissionsminderungszielen. Als Krönung der Misere bezeichnet Wie-land das Verspielen einer Jahrhundertchance: Nicht einmal im Bundesverkehrsministerium glaubt man an die ‎Fertigstellung der Zulaufstrecken für den Brennerbasistunnel auf bayerischer Seite. „Österreich ‎und Italien haben mehr Elan gezeigt. Selbst Ex-Verkehrsminister Dobrindt hat ‎eingeräumt, dass die Zulaufstrecken frühestens in 20 Jahren stehen“, erklärt Wieland.

Die Wirtschaft braucht eine kurzfristige Entlastung der Straße
Die Präsidenten der Wirtschaftskammern wollen den Verkehrsnotstand nicht länger hinneh-men. ‎In ihrem Papier heißt es, die Verkehrsinfrastruktur entlang der Brennerachse müsse kom-plett ‎modernisiert werden. Ziel der Verkehrspolitik müsse sein, den Langstrecken-Güterverkehrs auf ‎die Schiene zu verlagern. Hierzu werden von den Wirtschaftskammern u.a. folgende Vor-schläge ‎gemacht: Kapazitätsausbau der Umschlagterminals, um mehr Container auf die Schie-ne ‎verladen zu können. Und die Angleichung technischer Standards, damit Güterzüge endlich ‎störungsfrei Landesgrenzen passieren können. Die Präsidenten drängen auf eine „kurzfristige ‎Entlastung der Straße“. Sie schlagen vor, zwischen Regensburg und Trient die „Rollende Landstraße“ (Rola) einzusetzen. Rola steht für einen speziellen Zug, der anders als der gängige ‎Containertransport komplette Lastwagen auf der Schiene über die Alpen bringen kann.

Transporte mit dem Güterzug müssen pünktlicher und günstiger werden
Georg Dettendorfer, Spediteur, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des DIHK-‎Verkehrsausschusses, nimmt die Stellungnahme der Kammer-Präsidenten zum Anlass, um die ‎Verkehrspolitik scharf zu kritisieren („leere Versprechungen“). Wenn es die Politik nicht schaffe, ‎im Schienengüterverkehr für mehr Pünktlichkeit und wettbewerbsfähige Preise zu sorgen, werde ‎sich an der Überlastung der Brennerautobahn nichts ändern. Auch Blockabfertigungen an der ‎deutsch-österreichischen Grenze mag Dettendorfer nicht als Dauerzustand akzeptieren. Er ‎fordert eine gesamt-europäische Lösung. ‎Die Kammerpräsidenten haben ihr Positionspapier an die jeweiligen Landesregierungen und die ‎Verkehrsminister Italiens, Österreichs und Deutschlands geschickt. Eine offizielle Reaktion der ‎Politik steht noch aus. Einen Erfolg konnten die Unterzeichner schon verbuchen: Die Medien im ‎Alpenraum berichteten ausführlich über diese verkehrspolitische Initiative.‎