Landesverband Groß-­ und Außenhandel,
Vertrieb und Dienstleistungen Bayern e.V.

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KfW Umfrage – Gute Finanzierungssituation im Großhandel

29.08.2018

Der Groß- und Außenhandel weist die mit Abstand günstigste Finanzierungssituation im Vergleich der Wirtschaftsbranchen auf. Dies ist das Ergebnis der Umfrage zur Unternehmensfinanzierung der KfW und führender Wirtschaftsverbände.

65 Prozent der befragten Groß- und Außenhändler gaben an, dass das Finanzierungsklima günstig sei und nur vier Prozent schwierig. Allerdings zeigt die Umfrage auch Schattenseiten: Nicht alle Kreditverhandlungen konnten erfolgreich abgeschlossen werden und die Sorgen über eine nachlassende wirtschaftliche Entwicklung sind im Groß- und Außenhandel am ausgeprägtesten. An der Erhebung nahmen insgesamt 2.200 Unternehmen teil.
Im Rating – der Bewertung eines Kreditnehmers – schneidet der Großhandel erneut gut ab.

Die Bonitätsbeurteilungen haben sich in allen Wirtschaftszweigen verbessert. Etwas mehr als zwei von drei Unternehmen gaben an, dass ihr Rating gleich geblieben sei, bei jedem vierten Unternehmen hat es sich verbessert und nur bei jedem 13. verschlechtert.

Diese gute Position dürfte auch darin begründet sein, dass die Unternehmen seit der Diskussion um die Eigenkapitalquoten in den 2000er Jahren deutliche Anstrengungen unternommen haben, um ihr Eigenkapital zu verbessern. Nach Einschätzung der KfW ist dadurch entsprechend die Bedeutung der Eigenkapitalquote als Engpassfaktor beim Kreditzugang zurückgegangen.

Auf Grund der gestiegenen Eigenfinanzierungskraft hat sich die Abhängigkeit von Bankkrediten etwas gelockert. Allerdings bleibt diese wichtigste externe Finanzierungsquelle, auch gerade im Großhandel. Nach dem Verarbeitenden Gewerbe (60 Prozent) führten am häufigsten Unternehmen des Groß- und Außenhandels (59 Prozent) Verhandlungen über Kredite. Vergleichsweise am seltensten fragten Dienstleister Kredite nach (45 Prozent).

Im Unterschied zu den anderen Wirtschaftszweigen standen für 42 Prozent der Befragten dabei Be-triebsmittelkredite an erster Stelle. Es folgen Investitionen in Grundstücke, Gebäude und für Baukosten mit 41 Prozent der Befragten. Aber auch die Finanzierung des Warenlagers hat, ähnlich wie beim Einzelhandel, im Vergleich der Wirtschaftszweige besonders starkes Gewicht. Fast jedes vierte Unternehmen führte hierüber Kreditverhandlungen, im verarbeitenden Gewerbe war es nur jedes Zehnte und im Bau sogar nur weniger als jedes dreißigste. Für Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge, Einrichtungen führte nur etwas mehr als jeder vierte Unternehmer Kreditverhandlungen, im Verarbeitenden Gewerbe und Bau dagegen mehr als jedes zweite.
Von den geführten Kreditverhandlungen verlaufen neun von zehn erfolgreich.

Damit sind mehr Verhandlungen erfolgreich als im Vorjahr. Die Unterschiede nach den Kreditlaufzeiten – kurz- mittel-, langfristig – sind dabei gering. Allerdings fällt der Handel (Groß- und Außenhandel sowie Einzelhandel auf Grund geringer Fallzahlen zu¬sammengefasst) im Vergleich der Wirtschaftsstufen zurück. Besonders gilt dies für langfristige Kredite. Rund 18 Prozent der Verhandlungen über langfristige Kredite scheitern, bei mittelfristigen sind es rund 13 Prozent und bei kurzfristigen 14 Prozent.

Erstmals wurde in der Umfrage nach Hemmnissen gefragt, die die weitere Geschäftstätigkeit zu beein-trächtigen drohen. Zentral aus Sicht aller Unternehmen ist der Fachkräftemangel (80 Prozent), gefolgt von Sorgen um die konjunkturelle Entwicklung, allerdings mit deutlichem Abstand (52 Prozent). Der Fachkräftemangel ist auch im Groß- und Außenhandel mit 68 Prozent die drängendste Sorge, aber im Vergleich der Branchen deutlich unterdurchschnittlich. Dafür wiegt die Sorge um ein Nachlassen der konjunkturellen Entwicklung mit Abstand (63 Prozent) am schwersten. Ein wichtiger Aspekt hierfür dürfte die hohe Integration in die globalen Wertschöpfungsketten sein. Im Groß- und Außenhandel werden das Verschleppung von Reformen in der EU, Protektionismus, geopolitische bzw. politische Krisen im Ausland und ungünstige Wechselkurse sowie Handelssanktionen gegenüber ausländischen Partnern im Vergleich der Wirtschaftszweige relativ hohes Gewicht bei den Hemmnissen eingeräumt.


Quelle: BGA, Direkt aus Berlin, Nr. 18, 05.09.2018