Landesverband Groß-­ und Außenhandel,
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China's Lebensmittelimporte wachsen

24.10.2018

China fordert zunehmend mehr Nahrungsmittel. Die EU kann als Chinas größter Lebensmittellieferant von dieser hervorragenden Möglichkeit zur Vermarktung ihrer Produkte in Asien profitieren. Chinas Mittelschicht wächst – und mit ihr der Bedarf an ausländischen Lebensmitteln.

Die Nachfrage chinesischer Verbraucher nach importierten Lebensmitteln steigt stetig an, da sich der Lebensstandard in China verbessert, heißt es in einer Erklärung der chinesischen Zollverwaltung. Chinas Gesamtlebensmittelimporte beliefen sich im vergangenen Jahr auf 58,3 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate betrug aktuellen Daten der Behörde zufolge in den vergangenen fünf Jahren 5,7 Prozent. Die Europäische Union bleibt Chinas größter Nahrungsmittellieferant, gefolgt von den Vereinigten Staaten, Neuseeland, Indonesien und Kanada. Fleisch, Öl, Milchprodukte und Meeresfrüchte gehörten zu den beliebtesten Nahrungsimporten in China.

Mittelschicht wächst rasant
Der Anstieg der Nachfrage nach importierten Lebensmitteln wird durch mehrere Faktoren befördert. Chinas Mittelschicht ist in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gewachsen. Diese Konsumenten haben eine hohe Kaufkraft und sind zunehmend internationalen Trends ausgesetzt, was zu einer Nachfrage nach importierten Lebensmitteln führt. Sie werden zunehmend wählerischer in Bezug auf ihren Verzehr und wollen mehr Vielfalt und exotischen Geschmack. Statistiken der chinesischen Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission im März dieses Jahres zeigten, dass mehr als 400 Millionen Menschen in China zur Mittelschicht zählen. Bis 2025 könnte die Zahl Prognosen zufolge auf 780 Millionen steigen. Die chinesische Regierung definiert Menschen mit einem Einkommen von 60.000 bis 500.000 Yuan pro Jahr (ca. 8.800 bis 73.300 US-Dollar) als Mittelschicht.

Mehr grenzüberschreitender Onlinehandel
Mit der Entwicklung von grenzüberschreitendem E-Commerce wird der Kauf von importierten Lebensmitteln immer bequemer und effizienter. China hat 35 Städte, darunter Peking, Nanjing und Wuhan, als Pilotgebiete für den sogenannten Cross-Border-E-Commerce identifiziert. Die Wachstumsraten der Importe und Exporte in diesen Pilotzonen lagen in den vergangenen zwei Jahren bei über 100 Prozent. Plattformen für Cross-Border-E-Commerce florieren ebenfalls. Ab Mai wurden in den ersten 13 Pilotzonen über 400 Drittanbieter-Plattformen und 20.000 transnationale E-Commerce-Unternehmen neu gegründet. Cainiao, ein Cross-Border-E-Commerce-Netzwerk von Alibaba, hat 110 globale Lagerhäuser und 74 grenzüberschreitende Logistikketten errichtet und bietet Dienstleistungen in 224 Ländern und Regionen an.

Chinas Zollbehörden versuchen den Transport zu beschleunigen – ein wichtiger Faktor für den Lebensmittelimport. Viele Zollbehörden haben „grüne Kanäle“ für importierte Lebensmittel eröffnet und die Einfuhrverfahren für Lebensmittel vereinfacht, um den Prozess von der Ankunft bis zur Freigabe auf nur eine Stunde zu begrenzen.

Der Zugang zu einem großen Verbrauchermarkt in Mittel- und Westchina mittels besserer Infrastruktur bietet globalen Lebensmittelexporteuren attraktive Chancen. Laut eines Berichts der China International Exhibition for Food & Drink Industries haben beispielsweise 68 Prozent der 14 Millionen Einwohner Chengdus, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, im Jahr 2017 Lebensmittel aus dem Ausland gekauft.

Mehr Sicherheit und niedrigere Zölle
Nach vielen Skandalen um mangelnde Lebensmittelsicherheit, die auch zum Tod mehrerer Kinder führten, trauen viele chinesische Konsumenten nationalen Marken einfach nicht mehr. Babynahrung ist daher einer der wichtigsten Punkte auf Chinas Einkaufsliste. Bei Milchpulver werden gegenwärtig 80 Prozent importiert, obwohl der Preis für die Einfuhren jedes Jahr gestiegen ist. Ein weiterer Grund für die steigende Nachfrage nach importierten Lebensmitteln ist die in der Vergangenheit aufgrund fehlender Kontrollen zustande gekommene Verschmutzung landwirtschaftlicher Flächen, die daher nun als ungeeignet für die Landwirtschaft angesehen werden.

Am 1. Juli dieses Jahres hat China seine Zölle für Konsumgüter und Automobile massiv reduziert, um die Importe zu erhöhen. Die Zölle auf 1.449 steuerpflichtige Konsumgüter wurden von durchschnittlich 15,7 Prozent auf 6,9 Prozent gesenkt, darunter Haushaltsgeräte, Lebensmittel und Getränke, Kosmetika und Medikamente. Ehemals ausgefallene ausländische Produkte wie frische Milch aus Neuseeland, lebende kanadische Hummer, französischer Käse, australisches Rindfleisch und europäische Schokoladen sind jetzt auf dem lokalen Markt wettbewerbsfähiger.


Quelle: OWC Außenwirtschafts Verlag EU / Newsletter 23.10.2018 China aktuell