Landesverband Groß-­ und Außenhandel,
Vertrieb und Dienstleistungen Bayern e.V.

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Deutscher Außenhandel auf Rekordjagd - aber Sorgenfalten nehmen zu

27.10.2015

Der deutsche Außenhandel geht in diesem und auch im nächsten Jahr weiter auf Rekordjagd. "Dies ist allerdings auch dringend notwendig angesichts der gewaltigen Herausforderungen, vor denen wir hierzulande stehen." Dies erklärt BGA-Präsident Anton F. Börner heute in Berlin anlässlich der Herbstpressekonferenz des Verbandes zur Entwicklung des deutschen Außenhandels.

"Wir dürfen uns nicht von den schönen Zahlen täuschen lassen. Sie sind insbesondere auch dem billigen Euro infolge der Geldpolitik der EZB geschuldet, deren langfristig negative Nebenwirkungen noch nicht zum Vorschein treten“, so Börner.

Mit besonderer Sorge sieht Börner dabei das Auseinanderdriften in Europa. In der nach wie vor ungelösten Euroschuldenkrise sei in den vergangenen Monaten greifbar geworden, wie stark die Fliehkräfte sind. Die Flüchtlingswelle mit den damit verbundenen Herausforderungen für Europa, für seine Mitgliedsstaaten, seine Politiker und seine Gesellschaften wirke wie ein Brandbeschleuniger - obwohl kein Land alleine die zentralen Herausforderungen wie die Flüchtlingskrise alleine lösen könne.

Aktuelle Situation und Ausblick für den deutschen Außenhandel
Für das Gesamtjahr 2015 geht der BGA nunmehr davon aus, dass sich die Ausfuhren um bis zu 6 Prozent auf 1.191 Milliarden Euro und die Einfuhren um 4 Prozent auf 947 Milliarden Euro erhöhen werden. Damit erreichen sowohl die Aus- als auch die Einfuhren neue Rekordwerte.

Die positive Entwicklung im ersten Halbjahr beruht nicht mehr auf der Nachfrage aus den Schwellenländern und insbesondere nicht auf der Nachfrage aus den BRIC-Staaten. Vielmehr waren wieder unsere traditionellen Absatzmärkte in der EU und außerhalb die Wachstumstreiber dieser Entwicklung.

Die Nachfrage in der EU stammt dabei gleichermaßen aus Spanien, Portugal, Italien und sogar aus Frankreich, unserem weiterhin wichtigsten Absatzmarkt. Gleichwohl liegt noch ein langer Weg mit vielen Untiefen vor uns. Es bleiben die Zweifel hinsichtlich der notwendigen Strukturreformen, denn die Wachstumsmotoren waren insbesondere der günstige Euro und die niedrigen Rohstoffpreise. Wachstumstreiber in den Drittländern waren in erster Linie unsere klassischen Handelspartner wie die USA. Hier sind die Ausfuhren um fast 24 Prozent gestiegen. Aber auch auf dem afrikanischen Kontinent haben die deutschen Unternehmen mit einem Plus von 12,8 Prozent deutlich mehr verkauft als noch im Vorjahr.

In Punkto Warenstruktur gibt es weder bei den Exporten noch bei den Importen wesentliche Änderungen. Mit über 112 Milliarden Euro wurden im ersten Halbjahr jedoch 11 Prozent mehr Kraftwagen und Kraftwagenteile verkauft als im Vorjahr. Der Maschinenexport stieg um 2 Prozent auf 84 Milliarden Euro und der Export chemischer Erzeugnisse um 1 Prozent auf 55 Milliarden. Einfuhrseitig waren Datenverarbeitungsgeräte mit 48 Milliarden Euro das wichtigste Importgut vor Kraftwagen mit 48 Milliarden Euro, Chemische Erzeugnisse mit 38 Milliarden Euro und den fossilen Brennstoffen mit 32 Milliarden Euro.

Made in Germany unter Druck
Die einmalige Erfolgsgeschichte Made in Germany sei unter Druck, darüber dürfte man sich von den guten Zahlen nicht täuschen lassen, warnte der Außenhandels­chef. Zudem bewegten wir uns auf einem Weg, der mit konjunkturellen Stolper­steinen nur so gepflastert sei, wie die jüngsten Entwicklungen in China zeigen, die der BGA mit Sorge beobachtet.

Keinen nachhaltigen Schaden für den guten Ruf deutscher Produkte sieht er durch den VW-Skandal. Made in Germany sei die Summe vieler Produkte und Dienstleistungen, die davon nicht betroffen seien. Natürlich gingen die Vorgänge um VW nicht spurlos an den ausländischen Kunden vorbei. Nur mit einer restlosen Aufklärung lasse sich ein Imageschaden für den Standort Deutschland vermeiden.

Diejenigen, die die Sorge vor einer Absenkung der Standards für den Verbraucherschutz durch das geplante Freihandelsabkommen der EU mit den USA umtreibe, sollten wenigstens zur Kenntnis nehmen, dass die jüngsten Skandale in der deutschen Wirtschaft durch US-amerikanische Ermittler aufgedeckt wurden. So schlecht könne es da mit den Schutzstandards in den USA nicht bestellt sein.

Die Art und Weise, wie Deutschland mit der Flüchtlingsproblematik umgehe, habe natürlich auch Konsequenzen für die Wahrnehmung Deutschlands im Ausland. Das so viele so schnell kommen würden, habe niemand vorhersehen können, auch die Bundesregierung nicht. Er zeigte sich aber überzeugt, dass man die Lage organisatorisch wieder in den Griff bekomme. Fakt sei, dass die Menschen da seien und eine Ausgrenzung langfristig keine Lösung sein könne.

„Deutschlands Gesellschaft ist auf den Außenhandel und die weltweite Präsenz seiner Wirtschaft auf Gedeih und Verderb angewiesen und somit vom guten Ruf seiner Produkte und Leistungen abhängig, aber in gleicher Weise auch vom guten Ruf als offenes, freundliches und demokratisches Land. Wer diesen Ruf gefährdet, muss wissen, dass er damit gerade der deutschen Bevölkerung immens schadet, da dann die Wirtschaftsleistung nicht mehr erbracht werden kann, die das Land für die Finanzierung seiner Renten, der Versorgung der Kranken und der Arbeitslosen dringend braucht. Jede Form von Nationalismus, Abschottung und Protektionismus führt mindestens zu einem spürbaren Absinken des Wohlstands, zu Arbeitslosigkeit und langfristig zu Altersarmut“, so der BGA-Präsident abschließend.

35, Berlin, 27. Oktober 2015
Ansprechpartner:
André Schwarz
Pressesprecher
Bundesverband Großhandel,
Außenhandel, Dienstleistungen e.V.
Am Weidendamm 1A
10117 Berlin
Telefon: 030/ 59 00 99 520
Telefax: 030/ 59 00 99 529

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