Landesverband Groß-­ und Außenhandel,
Vertrieb und Dienstleistungen Bayern e.V.

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Geldschwemme und Niedrigzinsen: Was bringt die Zukunft?

15.03.2016

Die Beschlüsse, die bei der jüngsten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) gefasst wurden, sind nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig entscheidend für zukünftige Entwicklungen. Erneut senkte die EZB den Leitzins – nun auf 0 Prozent.

So gut die Nachricht für Börsianer und Schuldenländer ist, so katastrophal ist sie für Bürger und Unternehmen, so die Einschätzung von BGA-Präsident Anton F. Börner zur EZB-Entscheidung. Privates Geldvermögen wird enteignet. Und die Signale an die Unternehmen verpuffen bislang wirkungslos. Es stellt sich mehr denn je die Frage, ob diese Weichenstellung die aktuellen Probleme aus Niedriginflation und Niedrigzinsen entschärft oder weiter verlängert. Unternehmen, Investoren, Rentenfonds und private Sparer sitzen im gleichen Boot. In ganz Europa haben sie mit den Folgen der EZB-Geldschwemme zu kämpfen - mit Ausnahme des Staates.

Unsicherheiten am Geldmarkt bestehen weiter
Einen neuen Tiefstand der Inflation von -0,2 Prozent verkündete die EZB Anfang Februar. Für Deutschland liegt der Wert derzeit bei null Prozent. Kurzfristig verantwortlich sind dafür vor allem der Ölpreisrückgang (-8 Prozent) und leicht nachgebende Nahrungsmittelpreise. Seit Jahren versucht EZB-Präsident Mario Draghi den Preisauftrieb durch das Drucken enormer Geldmengen zu stimulieren. Doch der Markt reagiert nicht wie gewünscht. Die Inflation will einfach nicht anspringen.

Staat und Banken können sich dagegen seit Jahren günstig mit Krediten eindecken. Während die Nachfrage bei Investmentfonds, Unternehmen und privaten Sparern sehr verhalten ist. Dies führt dazu, dass Geschäftsbanken ihr Geld bei der EZB parken. Bereits im Juni 2015 beschloss die EZB einen negativen Einlagenzins festzulegen, um die Banken zu zwingen, die Liquidität in den Markt zu spülen.

Das Gegenteil ist bislang eingetreten. Die Kreditinstitute geben ihre negativen Zinsen weiter. Tagesgelder verzeichnen historisch niedrige Renditen und Rentenfonds, die sich gezwungen sehen, Staatsanleihen zu kaufen, bezahlen für ihre Anlagen, anstatt positive Erträge zu erwirtschaften. Das EZB-Inflationsziel von knapp 2 Prozent bleibt damit wohl auch weiterhin unerreichbar.

Schwierigkeiten drohen auch von anderer Seite: Die Wachstumsperspektiven verschlechtern sich zunehmend. Das nachlassende Wachstum der Emerging Markets, wie China mit seinen Problemen im Strukturwandel, Russland und Brasilien, die mit niedrigen Rohstoffpreisen zu kämpfen haben, sind auch für Deutschland ernst zu nehmende Risikofaktoren. Dies sind wachstumsdämpfende Effekte, die die deutschen Exporte in Zukunft schwächer steigen lassen könnten.

Liquiditätsfalle: Unternehmensinvestitionen bleiben zurückhaltend
Die Folgen dieser Geldschwemme sind schon seit längerem erkennbar. Deutschland befindet sich zunehmend in einer Liquiditätsfalle. Die Zinssätze tendieren gegen Null, trotzdem haben Anleger und Unternehmen keinen Anreiz ihr Geld zu investieren. Dagegen steigt die Nachfrage im Konsumgüterhandel. Sie wird zu einer tragenden Säule des wachsenden Bruttoinlandsprodukts.

Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen zwar eine verbesserte Auftragslage aus Drittländern für produzierendes und verarbeitendes Gewerbe, die Auftragseingänge aus den EU-Mitgliedstaaten sanken jedoch im gleichen Maße. Im Inland oszilliert die Auftragslage ebenfalls. Im Ergebnis reichen die Kapazitäten aus, um die auf nationalen und internationalen Märkten nachgefragten Güter zu produzieren.

Unternehmen haben angesichts der schwachen Dynamik aktuell keinen Anreiz, in eine Ausweitung ihrer Kapazitäten zu investieren und schieben somit Investitionen auf. Die EZB hat somit das wirtschaftspolitische Ziel verfehlt, private Investitionen anzuschieben. Lediglich der Staat nutzt aktuell die Vorteile günstiger Zinsen und investiert gewonnene Spielräume aus den sprudelnden Steuereinnahmen in die Modernisierung und den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur.

Expansive Geldpolitik bringt keine guten Resultate
Die Märkte reagieren mit verhaltener Freude auf die neuen Maßnahmen der EZB. Je länger unkonventionelle Instrumente wie Anleihekäufe genutzt werden, desto geringer fällt ihre Wirkung aus. Bestes Beispiel Japan: Seit Jahren bemüht sich die Regierung, die Wirtschaft mit geldpolitischen Instrumenten in Fahrt zu bringen - bislang erfolglos.

Aus Sicht des BGA stellt sich die Frage, wie lange die EZB noch an der expansiven Geldpolitik festhalten will. Wenn die EZB acht Jahre nach der Wirtschaftskrise 2008/9 immer noch neue geldpolitische Maßnahmenpakete auf den Weg bringt, stellt sich die Frage, ob die Instrumente richtig gewählt sind.

Die aktuellen Herausforderungen am Rande Europas sollten zum Anlass genommen werden, ein gemeinsames Handeln finanz- und wirtschaftspolitisch voranzubringen, das die wirtschaftliche Dynamik in ganz Europa stärkt, anstelle den schwarzen Peter für unterlassenes oder unzureichendes Handeln ständig in der EU weiter zu schieben. Die EZB kann fehlenden Gemeinsinn und wirtschaftliche Dynamik nicht mit noch so viel Geld ersetzen.

(Quelle: BGA Direkt aus Berlin, 14.3.2016)

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